Heimgesänge #6: Liedermappe oder auswendig?

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Senioren lieben ihre wöchentliche Singrunde. Bei der Frage nach dem Wie kommt es aber immer wieder zur Gretchenfrage: Auswendig oder mit Liedermappe? Beides hat Vor- und Nachteile. Hier ein paar Erfahrungen aus der Praxis.

Liedermappe

Bewohner singen gerne aus ihrer Liedermappe. Meist sind sie es so gewohnt. Sie haben etwas zum Festhalten. Mit der Mappe ist ein wöchentliches Ritual verbunden, auf das sie sich freuen. Die Liedermappe gibt Sicherheit. Die Bewohner kennen ihre Lieder.

Nachteil der Liedermappe: Man singt eben jede Woche dasselbe. Dies ist auf Dauer langweilig und kann im schlimmsten Fall zu gehäufter Ablehnung führen.

Praxisbeispiel: Der offizielle Wochenplan einer Einrichtung glänzte mit einer Singrunde – intern aber war sie zwischenzeitlich zu einer weiteren Rommérunde geworden. Weil die Leute lieber Karten spielten, als ewig das gleiche alte Zeug aus der Liedermappe zu singen.

Auswendig

In der Betreuungsarbeit relativ neu und darum nicht immer problemfrei. In jedem Fall wird die wöchentliche Liederrunde mit auswendigem Singen gleichzeitig zum Gedächtnistraining.

Auch wird sie abwechslungsreicher, weil man sehr viel flexibler ist. Neue alte Lieder müssen nicht erst ausgedruckt werden – sie werden einfach angestimmt und ausprobiert.

Was dabei gut funktioniert, braucht eh keine Liedermappe mehr. Weil Lieblingslieder die Seele streicheln und den Kopf einfach machen lassen.

Aber: Wenn Betreuungskräfte und Bewohner vorher nur mit Notenmappe gesungen haben, kann eine auswendige Runde auch schnell nach hinten losgehen.

Bewohner könnten sich überfordert fühlen. Mit gehäuften Ablehnungen wiederum kommt die Variante „auswendig“ in der nächsten Teamberatung schnell auf den Prüfstand.

Fazit

Die gute alte Liedermappe hat durchaus ihre Berechtigung. Sie ist in vielen Einrichtungen vorhanden. Für die Bewohner gehört sie zum Ritual.

In meinen Singrunden jedoch bevorzuge ich das auswendige Singen – allein schon, weil ich dadurch mit den Bewohnern viel besser interagieren kann.

Hilfreich ist in jedem Fall, sich vorher mit der Ergo und den Betreuungskräften vor Ort abzustimmen. Gibt es hier eindeutige Signale, dass auswendig schwer wird, kann es klug sein, diese nicht zu ignorieren.

Aber Vorsicht: Viele Mappen sind zwar schön gemacht – mit schickem Bildchen als Deckblatt und großen Liedertexten innen drin. Was Musiker*innen aber zwischen den Zeilen lesen wollen, ist in vielen Liedermappen nicht zu finden: Die Akkordbezeichnungen.

A capella kann auch sehr schön sein. Böse Überraschungen aber kann vermeiden, wer die Liedermappe in der Singrunde nicht zum ersten Mal sieht.

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